Mindful Branding – Vom Schneidersitz zur Markenführung

By 16. Januar 2019Allgemein

Von unserem letzten Blogartikel nicht genug bekommen? Stattdessen habt ihr direkt alle Tierkreiszeichen auf der Yogamatte durchgebetet und hochmotiviert euer Neujahrsmantra in den Schnee gepinkelt? Auch wir haben noch nicht genug vom spirituellen Schnack, also lasst uns in meditativer Runde noch einmal dem Thema Mindful Branding frönen! In dieser grenzswissenschaftlichen Episode erfahrt ihr, dass Achtsamkeit was fürs Ego ist und Marken auch nur Menschen sind.

Mindful Branding – Bambuszahnbürsten und Baggersendungen

Wir wissen inzwischen: das Thema Mindfulness ist gerade mindestens so heiß wie der neue Bachelorkandidat. Anders als bei der alljährlichen Schmuseschmach auf RTL geht es dabei allerdings um Authentizität, Entschleunigung und ein tiefgründiges Besinnen auf das Wesentliche. Spätestens beim Thema Nachhaltigkeit hätte der antifeministische Bagger-Bums angesichts der ewig langen Limousinen Kolonne sowieso verloren – aber genug von der Bachelor-Analogie.

Der Punkt ist, die Menschen – also potentielle Konsumenten – beschäftigen sich mittlerweile, bedingt durch diverse Selbstfindungskrisen, weniger mit Bagatellen (abgesehen von den gängigen Schundformaten im Privatfernsehen), aber mehr mit der Werteverschiebung von Oberflächlichkeit zu Tiefgründigkeit. Dieser Wertetransfer findet sich nicht zuletzt in digitalen Welten wieder und auch in der Markenkommunikation will die Ansprache des brennenden Sinnhaftigkeitsbedürfnisses der Conscious-Consumers gewährleistet werden.

Kaum verwunderlich also, dass Zahnbürsten nur noch aus Bambus, Rucksäcke aus dem Plastik des indonesischen Ozeans und Abschminktücher aus Topflappen eine Daseinsberechtigung ergattern und mit dem praktischen Nachhaltigkeitsimage daherkommen. Startups mit zukunftsweisenden Nachhaltigkeitsaufträgen sprießen aus dem Boden wie Hambacherwald-Aktivisten. Aber nur, weil sich jeder jetzt groß „Nachhaltigkeitsexperte“ auf die Stirn schreibt, heißt das noch lange nicht, dass es sich dabei um die wahre Unternehmensphilosophie handelt oder?

Mindfulness – Bewegung, Trend oder Egotrip?

Wir optimieren unsere Identitäten und kleiden uns in wohlklingenden Werten. Marken tragen und verleihen ein Image – aber nur weil wir uns mit dem neuen Nachhaltigkeitssiegel schmücken, heißt das noch lange nicht, dass wir wirklich dahinterstehen oder? Vielleicht ist das ganze Thema Mindfulness eine Bewegung, aber vielleicht ist es nur ein Trend und generell ein schmaler Grat zu definieren – was ist dabei eigentlich echt? Letztendlich ist es nicht mehr die goldene Rolex, mit der wir uns profilieren, sondern die palmölfreie Haarseife ohne Verpackung #zerowaste. Trotzdem bleibt es bei einer gewissen Art von Social Adjustive Function – die das gekaufte Image von (nachhaltigen) Produkten mit sich bringt: Wir erhalten Anerkennung in unserem Umfeld, nur dieses Mal für den achtsamen Umgang mit uns und unserem Planeten. Es bleibt also bei einem selbstzentrierten Trend voller Eigennutz, aber dem dritten Auge entgeht das natürlich nicht! Trotzdem: So lange ein Trend etwas Positives bewirkt, hat er eine Daseinsberechtigung, nicht?

Mindful Branding authentisch? Branding mit Fingerspitzengefühl!

Es bringt also nicht unbedingt etwas, auf diesen spirituellen Zug aufzuspringen und auf Ganesha komm raus ein grünes Label aus dem eigenen Brand zu zaubern. Wir wollen mehr Authentizität! Aber ja, wir wollen auch eine zukunftsfähige Unternehmensphilosophie mit Weitblick und Verantwortungsbewusstsein. Kontrovers? Schwierig das zu vereinen? Wie können Marken der Zukunft aussehen, die sich ihrer wahren Identität bewusst sind und dennoch einen positiven Impact haben? Marken, mit denen sich Menschen verbinden wollen, die Verantwortung übernehmen und trotzdem keinem Trend zum Opfer fallen.

Wir glauben weiterhin daran, dass Menschen ein „Why“ suchen und das lässt sich mit dem Thema Mindful Branding am besten vereinen. Das Warum des Unternehmens definieren, schärfen wird der Kern des Brandings der Zukunft. Und auch wenn selbst Tante Brigitte inzwischen weiß, dass der Golden Circle nichts mit Scientology zu tun hat – wir finden diese Theorie immer noch relevant. Um das Warum zu finden wird es immer mehr um den Spirit der Menschen gehen, die unsichtbar hinter dem Brand stecken. Welche Werte, welche Visionen, welche Persönlichkeiten stehen dahinter? Was bewegt das Kopf-Kollektiv der Marke? Den Blick mal nach innen richten und nicht so sehr nach außen. Zielgruppen mal Zielgruppen und Konkurrenz, Konkurrenz sein lassen. Wie bei echten Persönlichkeiten gibt es state und trait Merkmale auch bei Brands – nicht alle Eigenschaften bleiben statisch. Sie können beweglich sein und sich weiterentwickeln. So entsteht ein Bedeutungsraum, mit dem sich Konsumenten identifizieren können.

Dies ist vielleicht keine Kafkaeske Dystopie und kein Ratgeber zum 1×1 des Mindful Brandings. Diese Episode hinterfragt, wer wir als Brand eigentlich wirklich sind und wer wir in der Zukunft sein wollen.

Genug vom Deeptalk? Zurück zum Bachelor! Nein, wohl eher zu einer gemeinsamen Tasse Matcha Latte und einem Konzept für zukunftsfähige, achtsame Markenführung? Habt ihr Lust?

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